Afrikanische Union wird 10 — kaum Grund zum Feiern

Die AU tagt in Addis Abeba
Die AU tagt in Addis Abeba
Wie es in Europa die EU gibt, existiert auf dem weitaus größeren Kontinent im Süden Europas die AU, die Afrikanische Union. Wo aber nur knapp die Hälfte der europäischen Staaten Mitglied der EU ist, die immer in erster Linie ein Zusammenschluss aus ökonomischer Motivation war, sind in der AU alle 54 afrikanischen Staaten vertreten. Deshalb versteht diese sich auch eher als politisches Sprachrohr von Afrika, auch wenn ihr natürlich Wirtschaft, Entwicklung und Zusammenarbeit ihrer Mitgliederstaaten ebenso wichtig sind. Ihren Hauptsitz hat die AU in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Dort bezog sie auch jüngst ein neues Beratungsgebäude, das neben vielen weiteren modernen Annehmlichkeiten Platz für 2.500 Teilnehmer bietet. Und gerade wurde die Vereinigung 10 Jahre alt. Normalerweise sollte das ein Grund zum Feiern sein. Doch in der AU sind die wenigsten Beteiligten in Feierlaune. Zu drückend sind die immensen Probleme, mit denen man sich in Afrika beschäftigen muss. Der Vorläufer der Au wurde oftmals als wirkungslos verspottet, die AU wollte es besser machen und sich in Konflikte einmischen, regulierend eingreifen und diese am Ende lösen. Gelungen ist dies in den seltensten Fällen, auch wenn schon über 100 Resolutionen verabschiedet wurden. Es hält sich schlicht niemand daran. Ein Problem, welches man nicht so gerne anspricht, ist durch die Absetzung und den Tod von Gaddafi entstanden: Er war einer der wichtigsten Geldgeber der AU. Nun ist diese Finanzierungsquelle versiegt, was die AU neben ihrer Glaubwürdigkeit auch vor monetäre Probleme stellt. Wer gerne in diese Breschen springen möchte, sind die Chinesen. Sie gaben immer wieder gerne finanzielle Unterstützung, natürlich nicht ohne dabei eigene Ziele zu verfolgen. Überall in Afrika sind Firmen und Arbeiter aus China aktiv. Damit das so bleibt, sollen in vielerlei Hinsicht die Weichen so gestellt werden, wie es China beliebt. Einer autonomen und damit entscheidungsmächtigen Vereinigung wie der AU kann es nicht gefallen, dass die Abhängigkeit nach außen derart steigt. Eine Lösung, wie die AU zu mehr politischer Stärke und gleichzeitig zu finanziell größerer Sicherheit gelangen kann, ist zur Zeit nicht in Sicht. Es scheint so, als würde das 11. Jahr des Bestehens der AU gleichzeitig auch ihr schwierigstes, welches möglicherweise sogar über ihren (sinnvollen) Fortbestand entscheidet. Creative Commons License photo credit: Radio Okapi
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