Gambia verlässt Commonwealth — “Kolonial-Organisation”

Gambias Fahne wird bei Veranstaltungen des Commonwealth nicht mehr gehisst
Gambias Fahne wird bei Veranstaltungen des Commonwealth nicht mehr gehisst
Auf englisch heißt das kleine westafrikanische Land Gambia "The Gambia", nur komplett mit Artikel. Zumindest in den Dokumenten des britisch geprägten Commonwealth wird diese Bezeichnung in Zukunft aber nur noch selten auftauchen. Denn Gambia plant den Austritt aus dem Commonwealth. 54 verschiedene Länder aus den unterschiedlichsten Regionen bilden zur Zeit den Commonwealth, allesamt eins britisch besetzt, britische Kolonie oder sonstwie britisch erobert worden. Allein die Zahl 54 ist ein eindrucksvolles Zeugnis früherer Stärker des britischen Empires. Zwar sind all diese Staaten mittlerweile unabhängig, eine besondere Verknüpfung zum einstigen Kolonialherren Großbritannien bleibt aber mit der Mitgliedschaft im Commonwealth erhalten. Dieser bedeutet starke Zusammenarbeit, Interaktion, Austausch und sogar eine eigene Sportveranstaltung nach dem Vorbild der Olympischen Spiele kennt der Commonwealth: die Commonwealth-Spiele. All das wird in Zukunft ohne Beteiligte aus Gambia stattfinden. 48 Jahre nach seinem Beitritt wurde gestern recht lapidar im öffentlichen Fernsehen erklärt, dass The Gambia sich aus dem Commonwealth zurückziehe. Gründe wurden bislang keine erklärt. Vor zwei Jahren warf der amtierende Präsident von Gambia dem UK vor, seine Opposition zu unterstützen. Der 1994 durch einen Staatscoup an die Macht gekommene Präsident macht schon seit geraumer Zeit mit Schwierigkeiten im Verhältnis zu Großbritannien von sich reden . Gleichzeitig wurden Argumente laut, dass Gambia niemals Mitglied einer neo-kolonialen Vereinigung sein könne und seine Mitgliedschaft im Commonwealth auch deshalb beendet habe. Warum dieser Umstand in Gambia erst nach 48 Jahren auffällt, bleibt ein Geheimnis. Das letzte frühere Mitglied, das den Commonwealth verlassen hat — Oberhaupt ist übrigens die Queen, mit ihren 87 Jahren schon seit etlichen Dekaden in dieser Funktion im Amt — ist ebenfalls ein afrikanischer Staat. Damals schied Simbabwe aus, im Süden Afrikas gelegen. Auf der anderen Seite gab es zuletzt auch zwei Neu-Eintritte. Auch hier waren jeweils afrikanische Staaten involviert. Ruanda und Mosambik fanden den Commonwealth so interessant, dass sie vor Kurzem dort Mitgliedsstaat geworden sind. Creative Commons License photo credit: Foreign and Commonwealth Office
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