Töten Antilopen Menschen?

Guter Läufer, schlechter Schwitzer: eine Antilope
Guter Läufer, schlechter Schwitzer: eine Antilope
Die schlichte Antwort auf diese Frage lautet: nein, eher umgekehrt. Das Thema, wieso der Mensch trotz teils läuferisch außerordentlich überlegener Gegner wie einem Fuchs, einem Leoparden, einem Geparden es geschafft hat, ohne den Einsatz von weiter reichenden Waffen, diese zu jagen und so sein Überleben zu sichern, ist ein äußerst spannendes. Des Rätsels Lösung ist, dass der Mensch zwar langsamer als diese Tiere ist, dies aber nur für eine kurze Sprintstrecke gilt. Im Ausdauerbereich, und hier ist wirklich Langstreckenausdauer gemeint, ist der Mensch den meisten anderen Tieren (Ausnahme z. B. der Hund) unterlegen. Der Anthropologe Louis Liebenberg aus Südafrika sieht das Laufen sogar als Kern der Menschwerdung an, neben der Weiterentwicklung des Gehirns natürlich, aber ohne die starken Laufeigenschaften hätte der Mensch sich nicht die notwendige Nahrung verschaffen können, um schließlich sein Gehirn weiterzuentwickeln. Und das hat Gründe. Einer ist, dass es in Afrika in weiten Teilen tagsüber heiß ist, und der Mensch unter diesen Bedingungen seine Opfertiere zu Tode gehetzt hat. Eine Vorstellung, die auf den ersten Blick etwas lächerlich anmutet, ist der Mensch doch wie oben erwähnt nicht besonders schnell. Aber er ist ausdauernd. Und vermittels dieser Ausdauer schaffte er es, seinen Opfern stets zu folgen, sie bis an den Rand der Erschöpfung zu treiben und schließlich, wenn die Tiere völlig kraftlos waren, diese mit einfachen Mitteln zu erlegen. Denn die Tiere, die der Mensch in Afrika jagt, sind es gewohnt, nur kurze Phasen von Höchstleistung erbringen zu müssen, um entweder selbst ein Opfer zu erlegen oder einem potenziellen Jäger zu entkommen. Doch gegen den Menschen, der sehr bald in der Lage war, Spuren zu lesen und so die Fährte des Opfers nicht zu verlieren, ist diese Strategie nicht wirksam. Die Tiere bis zur Erschöpfung jagen Ein weiterer Grund ist, dass der Mensch als einziges Tier am ganzen Körper schwitzen kann und somit überhaupt erst in die Lage versetzt wurde, auch bei hohen Temperaturen längere Zeit körperliche Leistung zu bringen. Ein Fuchs gibt nach einigen Hundert Metern die Verfolgung eines Kaninchens auf — ganz einfach, weil er anderenfalls bei weiterer Leistung an einem Hitzeschlag sterben würde. Der Mensch hingegen hat auch seine Körperbehaarung verloren, so dass er sich nicht unnötig aufheizt. Zudem bietet der aufrechte Gang den Vorteil, dass die Sonneneinwirkung um ein Vielfaches reduziert wird. Ergo kann der Mensch die entstehende Körperwärme abführen, sie wird zudem gar nicht erst so groß wie bei einem dicht behaarten Vierbeiner. Und so kann er über einen viel längeren Zeitraum "jagen". Den Nachteil, dass das empfindlichste Körperteil, der Kopf, beim aufrechten Gang der Sonne am nächsten ist, wird dadurch ausgeglichen, dass der Mensch sich sein Kopfhaar bewahrt hat, welches wiederum die Wirkung der Sonneneinstrahlung abmildert. Aufrechter Gang ein Teil des Schlüssels Wie schlau der Mensch bei diesen Jagden vorgeht, beweist eine weitere Erkenntnis, die der Volkskundler Barre Toelken von seinen Reisen mitgebracht hat: Die Menschen beginnen nur dann zu jagen, wenn die Lufttemperaturen mindestens 37°C erreichen. Anderenfalls wäre auch eine noch so lange gejagte Antilope zu schnell und zu schnell von dannen für den Menschen. Mit der Sonneneinwirkung und der physischen Überlegenheit bei hohen Temperaturen hingegen wird das Beutetier zum Opfer. Die Antwort auf die Frage: Töten Antilopen Menschen? lautet also: Nein. Der Mensch jagt sie und erlegt sie, und das ganz ohne Jagdwaffen, allein mit dem, was ihm die Evolution an Ausrüstung gegeben hat. Faszinierend. Creative Commons License photo credit: Daniel Garcia Neto
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